10 Bitten der Trainer an Schwimmeltern

Eines ist ganz klar – ohne die Hilfe der Eltern könnten wir unseren Sport nicht ausüben. Ohne Eltern könnten Wettkampffahrten kaum abgesichert werden. Ohne Eltern ständen wir ohne Kuchen da. Eltern unterstützen Veranstaltungen wie das „Schwimmen gegen den Krebs“, stehen als Kampfrichter am Beckenrand und sind für das geregelte Vereinsleben nicht mehr wegzudenken. Und dafür gebührt allen Eltern ein dickes Dankeschön!

Dann sind da natürlich die Vereinstrainer. In Zeiten mangelnder finanzieller Ressourcen wird der Sport auf Vereinsebene fast ausschließlich durch ehrenamtlich tätige Trainerinnen und Trainer abgesichert, Menschen also, die in der Regel auch voll arbeiten, oftmals im Schichtsystem, und dann in ihrer spärlich bemessenen Freizeit in die Schwimm- oder Turnhalle kommen. Doch damit ist es ja nicht getan. Zahlreiche Wochenenden werden auf Wettkämpfen verbracht, das Training muss vor- und nachbereitet werden und das "offene" Ohr als für die Sportlerinnen und Sportler soll auch da sein. Auch Aus-, Fort- und Weiterbildung zählt zum Programm, jeder am Beckenrand „Stehende“ muss die Rettungsschwimmerausbildung absolvieren und das eigene sportliche Fachwissen regelmäßig aktualisieren (Lizenzen erwerben, Lizenzen verlängern, Kampfrichtereinsätze etc.). Auch dies geschieht in Wochenend- oder Ferienseminaren, nicht selten wird dafür eigener Urlaub genutzt. Trainerinnen und Trainer im normalen Vereinsbetrieb leben zwar oft für das Schwimmen aber nicht davon und so sind sie eben nicht 24h am Tag erreichbar, die Kommunikation gestaltet sich manchmal problematisch oder das Training fällt mal aus, weil sich plötzlich Arbeitszeiten ändern und kurzfristig niemand anders einspringen konnte. Viel Potential aber auch viel Zündstoff bietet die Eltern-Trainer Beziehung, insbesondere wenn es darum geht was als „gut“ für das eigene Kind erachtet wird.

Amerikanische Trainer haben, nicht ganz uneigennützig, 10 „Gebote“ oder sagen wir lieber „Bitten“ für Schwimmer-Eltern aufgestellt, die inzwischen von vielen deutschen Vereinen übernommen wurden (Quelle: frei nach „Mein Kind schwimmt…100 Fragen von besorgten und interessierten Eltern“ von Klaus Rudolph, Seite 252/253 mit Ergänzungen):

  1. Ihr Glaube an Ihr „Wunderkind“ in allen Ehren, aber überfordern Sie es nicht mit überhöhten Zielen und halten ihm nicht ständig die Leistung der Besseren vor. Akzeptieren Sie, dass es bestimmt bemüht ist sein Bestes zu geben.
  2. Unterstützen Sie Ihr Kind in jedem Fall. Oberstes Kriterium bleibt aber, dass es Spaß an der Sache hat. Zwingen Sie ihr Kind nicht am Training oder Wettkämpfen teilzunehmen wenn es keine Lust hat. Geben Sie aber auch nicht jeder Laune nach.
  3. Ihr Kind hat einen ausgebildeten Trainer. Das sind nicht Sie! Es gibt genug im Umfeld zu tun, wo Sie Ihr Kind fördern können. Ständiges Einmischen in die Belange des Trainings würde Ihr Kind nur verunsichern.
  4. Unterstützen Sie Ihr Kind beim Wettkampf durch Lob und Anerkennung. Kritik ist Sache des Trainers, der sie zur rechten Zeit anbringen wird. Motivation ist das A & O.
  5. Sollte Ihr Kind sich vor einem Start ängstigen, dann ermutigen Sie es. Es gibt auch Teilschritte über die man sich freuen kann. Zudem hätte der Trainer Ihr Kind nicht gemeldet, wenn er kein Vertrauen hätte. Oft unterschätzt sich Ihr Kind und ist umso glücklicher wenn es die ungeliebte Strecke dann doch schafft. Ihr Kind aus dem Wettkampf zu nehmen und somit die Selbstzweifel zu unterstützen ist kontraproduktiv.
  6. Akzeptieren Sie die Entscheidungen des Kampfgerichts oder halten Sie sich zumindest in Gegenwart Ihres Kindes mit Kritik zurück. Es steht Ihnen übrigens frei, sich als Kampfrichter ausbilden zu lassen und mitzuwirken. Diese andere Perspektive wirkt oftmals Wunder und zeigt wie schwer es manchmal doch ist zu bewerten ob alles regelkonform ist.
  7. Beachten sie, dass ein enges Vertrauensverhältnis zwischen Ihrem Kind und seinem Trainer der beste Garant für sportlichen Erfolg ist. Jeder Trainer wird für kritische Hinweise dankbar sein, aber bitte nicht in Gegenwart des Kindes. Untergraben Sie nicht die Autorität des Trainers in Gegenwart Ihres Kindes.
  8. Seien Sie kritisch gegenüber Vereinswechseln. Leider hat es sich eingebürgert bei Problemen seien diese sportlicher oder zwischenmenschlicher Art zu anderen Trainern/Vereinen zu springen. Richtig ist: Nicht jeder Trainer ist gut für jedes Kind, und nicht jeder Verein bietet das für Ihr Kind notwendige Umfeld. Manchmal ist es also sinnvoll nach reichlicher Abwägung zu wechseln. Dennoch, ein Vereinswechsel löst oft nicht die Probleme und führt selten zu besseren sportlichen Ergebnissen. Bei Problemen sofort wechseln zu wollen, fördert auch nicht unbedingt die soziale Kompetenz und das Durchhaltevermögen.
  9. Ermutigen Sie Uhr Kind sein bestes zu geben, aber das muss nicht immer der Sieg oder Rekord sein. Es gibt genug Zwischenziele, die realistischer sind, Erfolgserlebnisse vermitteln und so Ihr Kind „bei der Stange“ halten.
  10. Erwarten Sie nicht, dass Ihr Kind unbedingt zu den 0,0002% der Schwimmer gehört, die eine Olympiamedaille erreichen. Leistungssport ist und bietet mehr, sowohl an Erfolgen auf der Strecke als auch an Selbstdisziplin und Fairness, Selbstbewusstsein und Fitness bis hin zu lebenslangen Freundschaften. Das ist nicht mit Edelmetall aufzuwiegen!